8 Fragen an Kerstin Ehmer

1. Hast du einen festen „Schreibplatz“ und wenn ja, wie sieht der aus?
Strictly Zen. Weiße Wand in der Mitte und im Wahrnehmungsrandbereich außen Fotos, Postkarten, Kleinkram, Zitate. Zunehmend mehrlagig.

2. Welches Buch hat dich (in letzter Zeit) besonders berührt/fasziniert?
H wie Habicht von Helen Macdonald. Über die Möglichkeit menschlicher Metamorphosen durch die Beziehung zu einem Tier. An manchen Stellen hat mir der Atem gestockt und mein Herz begonnen zu rasen. 388 Seiten, anderthalb Tage.

3. Hast du dir im Nachhinein schon mal gewünscht, dass du in einem deiner Bücher etwas anders gemacht hättest?
In jedem Buch finde ich grauenhafterweise zum Beispiel Wiederholungen, die allen durchgerutscht sind. Aber im Großen und Ganzen soll es so sein, wie´s auch dasteht.

4. Planst du viel voraus oder schreibst du (auch mal) einfach drauf los?
Die Krimihandlung ist immer durchgeplant, sonst stimmen am Ende alle Indizien nicht mehr und man landet in Teufels Küche. Aber ich baue immer auch Parts ein, in denen ich frei spinnen kann. Sonst würde es keinen Spaß machen.

5. Wie alt warst du, als du angefangen hast zu schreiben, und was war das?
Angefangen habe ich mit 13. Tagebuch, was sonst. Hunderte Seiten Rätseln über die Beschaffenheit der Welt und die Seltsamkeiten menschlichen Miteinanders.

6. Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet. Nur einer deiner Charaktere ist dabei. Welchen hättest du gerne an deiner Seite und warum?
Am liebsten würd ich alle mitnehmen. Spiro und Nike auf jeden Fall, ohne Bohlke geht es auch nicht. Schön wären auch ein paar der krisenerprobten Russen aus der Schwarzen Fee, von deren Humor und Standfestigkeit man sich in schwierigen Zeiten die ein oder andere Scheibe abschneiden kann.

7. Wie kommst du auf die Themen deiner Bücher?
Die Zeit der Weimarer Republik ist ja bereits ziemlich hell ausgeleuchtet. Trotzdem gibt es noch Aspekte, die die Scheinwerfer der Aufmerksamkeit nur gestreift haben. Die dunklen Rand- und Schattenbereiche, wo sich der Boden feucht schmatzend an die Fußsohlen saugt, wo die seltsamen Pflanzen wachsen, wo blasse Tiere großäugig in die Nacht trudeln. Dahin gehe ich.

8. Tipps für Wunsch-Autor*innen, wie man beim Schreiben am Ball bleibt und nicht aufgibt?
Schreiben ist Arbeit und ein Buch mindestens ein Marathonlauf. Das sollte man sich vielleicht vorher schon bewusst machen. Auf den Kuss der Muse folgen Ohrfeigen und verletzendes Schweigen, dann Versöhnung, abgelöst von neuem Streit.
Ich empfehle Bewegung zwischen den Schreibeinheiten. Ein Hund ist gut, weil er erstens da ist und sehr entspannt die Tage verratzt, zweitens aber bei jedem Wetter ausgeführt werden will. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Dämmerung, Nebel, Niesel, Schnee, Frost oder Schlamm nach dem Regen. Egal, der Hund muss raus und zwingt den Menschen, der ihm vorsteht, zu immer neuen Eindrücken jenseits des Sonnenscheins. Ist das Wetter zu freundlich, reicht es ihm in der Regel in der Sonne zu liegen und gar nichts zu tun.

Pendragon

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